Günther der Gutscheingauner

Als der feinfühlende Fuchs Finn über Rabatte in Online-Shops nachdachte, holte er sich einen eCommerce-Berater in seinen Bau. Es war ein wendiges Wiesel und der erzählte ihm eine Geschichte, um Finn mögliche Probleme bei Gutscheinen aufzuzeigen. Die Geschichte hieß

Wie der wohlmeinende Wolf Günther zu Günther dem Gutscheingauner wurde

Der Wolf heißt Günther der GutscheingaunerEs war einmal vor langer Zeit, da begannen die Tiere über das Internet einzukaufen. So konnten sie auch in Läden einkaufen, die so weit von ihnen entfernt lagen, dass sie sie niemals erreicht hätten.

Die Betreiber dieser Läden hatten viel Geld investiert, um schöne Internetshops einzurichten. Genau genommen, hatten sehr viele Händler Läden im Internet gebaut. So gab es viel mehr Läden als unbedingt notwendig.

Jeder Ladenbetreiber tat viel, um die kaufwilligen Tiere in seinen Internetladen zu holen und sie zum Kauf zu bewegen. Ein beliebtes Mittel war das Verteilen von Rabattgutscheinen. Damit ließen sich die Käufer locken – denn wenn man etwas spart, dann ist man als Käufer schließlich pfiffig.

Auch der wohlmeinende Wolf Günther bekam immer wieder Hinweise darauf, dass man gerade jetzt beim Kauf im Internet ganz viel Geld sparen konnte. Er freute sich über die freundlichen Angebote und wollte es auch einmal ausprobieren.

Schnell lernte Günther, dass er den Gutscheincode im Bestellvorgang eingeben musste, um den Nachlass zu bekommen. Weil Günther gründlich war, schaute er sich die Bedingungen und die Rechnungen immer ganz genau an. Da stand auch, dass er Dinge, die ihm nicht gefielen, wieder zurücksenden könnte. Das fand er fair und gelegentlich machte Günther von diesem Recht Gebrauch.

In diesen Fällen bekam er Gutschriften. Und wieder schaute Günther sich die Belege genau an und wunderte sich so manches Mal:

Zum Beispiel bei der Aktion „3 Hemden kaufen, 2 Hemden zahlen“. Günther hatte 3 Hemden bestellt. Leider standen ihm zwei von den drei Hemden gar nicht und er schickte sie zurück. Ein Hemd stand ihm hervorragend und er behielt es. Als wohlmeindener Wolf wollte er dieses Hemd bezahlen. Aber er musste verwundert feststellen, dass der Händler kein Geld von ihm verlangte: Denn genau das Hemd, das Günther behielt, war „das dritte Hemd“ und auf der Rechnung mit dem Preis 0 € versehen. Günther bekam das Geld für die zurück geschickten Hemden zurück und das „dritte Hemd“ umsonst.

So erkannte Günther, dass man bei manchen Gutscheinaktionen viel mehr sparen kann als auf den ersten Blick zu vermuten ist. Das weckte seine Neugier und er probierte andere Gutscheine aus.

Da war ein Händler, der ihm als Neukunden die Versandkosten – immerhin mehr als 5 Euro – schenken wollte. Er bestellte und prüfte die Rechnung. Darauf standen der Warenwert, die Versandkosten und die Versandkostenerstattung. Er schickte die Ware zurück und wartete gespannt auf die Gutschrift. Diese kam dann auch und enthielt – Günther trauten seinen Augen kaum – den Warenwert und die Versandkosten. Weil er ja keine Versandkosten überwiesen hatte, stand sein Kundenkonto jetzt im Plus.

Günther malte sich aus, wie er mit vielen Bestellungen, die er zurücksandte, ein erkleckliches Einkaufsguthaben bei dem Händler aufbauen konnte. Bei manch einem Händler wurde dieses Guthaben sogar automatisch Günthers Kreditkarte gutgeschrieben.

Mit der Zeit verwandelte der Lockstoff des Rabattgeldes Günthers Neugier in Gier. Und so kam es, dass Günther das Internet systematisch nach Berichten über aktuelle Rabattcodes durchsuchte.

Ganz toll fand Günther Gutscheine, die Zugaben enthielten: einen Gürtel zur Jeans, zu jeder Hose ein T-Shirt, Socken zu jeder Bestellung ab 100 €. Stets sandte er die eigentliche Ware zurück und behielt die Zugaben.

Ein paar Händlern fiel Günther´s Verhalten aber auf – und es gefiel ihnen gar nicht. Sie nannten Günther einen Gutscheingauner. Einige schlossen dann seinen Account von der Belieferung aus. Das ließ Günther sich nicht gefallen. Er bestellte mit neuer Email-Adresse, einer Packstation als Lieferadresse und zahlte im Voraus. So entging er in den allermeisten Fällen der Identitätskontrolle und profitierte von den Gutscheinen.

Die Monate gingen ins Land und Günther professionalisierte sein Gutschein-Hobby immer weiter.

Dann kam der Winter – ein langer, harter Winter –, den Günther fast ausschließlich vor dem Computer verbrachte. Aber nach einiger Zeit geriet er in Panik: Er hatte keine Gutscheine mehr! Sehnsüchtig starrte er auf die Codes der bereits eingelösten oder abgelaufenen Coupons… Und da kam ihm eine Idee:

Vielleicht waren andere Gutscheine ja denen, die er schon eingelöst hatte, ähnlich… Und weil er viel Zeit hatte, konnte er viele Kombinationen durchprobieren. Und weil er sehr ausdauernd war, hatte er immer wieder Erfolg. Manchmal fand er sogar Gutscheine in ungeahnter Höhe. Nur sehr wenige Händler waren gegen Günthers Strategie gewappnet. Diese Händler verlangten nach einigen Eingabeversuchen ein sogenanntes Captha einzugeben – Zahlen und Buchstaben aus einem Bild. Günther löschte flugs die Cookies im Browser oder forderte eine neue IP-Adresse am Router an – und es ging weiter.

Aber wie gesagt: Das waren nur wenige Shop, die solche Tricks erforderlich machten. Und so machte Günther weiter Karriere als Gutscheingauner.

Spannend fand Günther auch Geschenkgutscheine. Solche Gutscheine liegen, bevor sie eingelöst werden, oft eine Weile rum. Während dieser „Wartezeit“ kann der Gutschein von jedem eingelöst werden, der den Code kennt – oder ihn rausfindet. Und manche Codes konnte Günther wirklich einfach rausfinden. Sie waren fortlaufend nummeriert und hatten nur eine Prüfnummer am Ende. Ein Kinderspiel für Günther.

Manchmal gab Günther aber auch Geld für Gutscheine aus – im Rahmen von Rabattaktionen. So gab es „25% auf alles außer Tiernahrung“ und damit auch auf Gutscheine. Günther kaufte einen Gutschein über 100 € für 75 €.

Diesen Gutschein verwahrte er sicher in seinem Bau und wartete auf die Gelegenheit, ihn einzulösen. Diese Gelegenheit kam mit der nächsten Rabattaktion. Diesmal gab nur es nur  20%, aber Günther musste nicht lange überlegen.

Er kaufte einen Geschenkgutschein in Höhe von 125 €. Bei 20% Rabatt musst Günther nur 100 € bezahlen. Das tat er auch und bezahlte mit einem auf 100 € lautenden Gutschein, den er für 75 € erworben hatte. Nun hatte er für 75 € bezahlt und konnte für 125 € einkaufen – oder den Gutschein mit Gewinn auf ebay verkaufen.

Weil einige Händler mit der Zeit merkten, wie Günther es sich mit Hilfe der Gutscheine auf ihre Kosten gutgehen ließ, veränderten sie ihre Prozesse und zwangen unseren Gutscheingauner so, sich von seinen lieben Einkaufsgewohnheiten zu verabschieden.

Entmutigen ließ Günther sich aber nie. Denn wenn Günther nicht gestorben ist, sucht er noch heute nach Lücken in der Gutscheinabwicklung der Händler – und wird dabei nachwievor (zu) oft fündig.

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