Ist Vorkasse wirklich sicher?

Auf der Suche nach der besten Zahlungsart wurde Finn immer wieder die Zahlungsart „Vorkasse“ als besonders sicher angepriesen. „Sicherheit ist tolles Argument für eine Zahlungsart – vielleicht sogar das Beste!“, so dachte Finn. Zumindest bis ihm eine Schlaumeise die Geschichte vom Fernsehhändler erzählte:

Es war einmal ein findiger Fernsehhändler. Er litt – wie der gesamte Facheinzelhandel – unter der meinungsmachenden „Geiz ist geil“-Parole.

Dabei waren aus seiner Sicht die vergleichsweise hohen Preise in seinem Ladengeschäft durchaus angemessen – schließlich bot er fundierte Beratung. Aber er wollte auch an die vielen „geizigen“ Fernsehkäufer verkaufen. Er grübelte und grübelte – und plötzlich hatte der findige Fernsehverkäufer eine Idee. „Wenn ich mehr Fernsehgeräte verkaufe, kaufe ich billiger ein und mache dadurch im Ladengeschäft bei gleichbleibenden Preisen mehr Gewinn“, dachte er – und weiter: „Wenn ich an jedem „zusätzlich“ verkauften Fernsehern nur einen Euro verdiene, füllt das meinen Geldsack zusätzlich.“

Und weil der Fernsehverkäufer nicht nur findig, sondern auch flink war, gab er beim eCommerce-Profi einen Shop in Auftrag, in dem er seine Produkte zu deutlich günstigeren Preisen als im Ladengeschäft anbot.

Dazu bestellte Suchmaschinenoptimierung und Werbemaßnahmen. Und schon bald konnte er sich über eine nennenswerte Anzahl Bestellungen freuen.

Der Fernsehhändler war sehr zufrieden mit sich, da er eine so gute und zudem sichere Geschäftsidee gehabt hatte. Sicherheit war ihm als Kaufmann alter Schule wichtig.

Und weil er Bonitätsprüfungen und Zahlungsgarantien nicht in seiner Kalkulation berücksichtigen wollten, ließ er in seinem Shop nur das für ihn sicherste Zahlungsmittel zu: die Vorkasse.

Er versendete die Fernseher erst dann, wenn der Kunde ihn bezahlt hatte.

Weil der Fernsehhändler den Wankelmut der geizigen Zeitgenossen schon kannte, rechnete er von Anfang an damit, dass der ein oder andere den Fernseher im Rahmen seines Widerrufrechts zurücksenden würde. „Kein Problem“, dachte er bei sich, „diese Geräte verkaufe ich als „Vorführgeräte“ und habe so keinen Verlust zu befürchten.“

So arbeitete der Fernsehhändler Tag aus, Tag ein nach der gleichen Weise: Er kontrollierte jeden Zahlungseingang auf seinem Konto, verglich gewissenhaft die Bestellnummer mit dem Verwendungszweck und verschickte dann das Gerät. Und bald schon war sein Geldsäckchen gut gefüllt.

Zur gleichen Zeit hielt draußen in den Weiten des Internets auch ein pfiffiger Schurke nach einer neuen Geschäftsidee Ausschau… Das Schicksal meinte es nicht gut mit unserem Fernsehhändler – und so wurde der Schurke ausgerechnet auf den Geschäftsbereich „Fernseher“ aufmerksam…

Er schmiedete einen fiesen Plan und setzte ihn alsbald in die Tat um:

Zuerst orderte er – natürlich unter falschem Namen – beim fleißigen Fernsehhändler einen Fernseher – und gab ein großes anonymes Mietshaus als Lieferadresse an. Sehr schnell erhielt er daraufhin die Vorkasse-Rechnung per E-Mail zugeschickt.

Nun ging der Schurke auf die Suche nach einem Menschen, der für ihn die Rechnung bezahlte. Das war gar nicht schwer: Er bot im Internet eine „Last-Minute-Reise nach New York“ zum Schnäppchenpreis an. Der Preis war sehr günstig – er entsprach genau dem des Fernsehers.

Schnell war ein Käufer gefunden. Ihm schickte der Schurke umgehend eine Rechnung für die Reise. Und was soll man sagen? Die Rechnung hatte die gleiche Rechnungsnummer wie die Rechnung des Fernsehhändlers – und auch die Kontodaten stimmten überein.

Voller Vorfreude zahlte der Reisefreund umgehend und unter Angabe der Rechnungsnummer auf das angegebene Konto.

Nach kurzer Zeit fand der Fernsehhändler einen passenden Zahlungseingang auf seinem Konto, freute sich und verschickt das Fernsehgerät an die bei der Bestellung angegebene Lieferadresse…

Während der Betrüger alsbald das Fernsehgerät entgegen nahm und anderweitig verkaufte, wartete der Reisefreund vergeblich auf seine Tickets…

Als diese nicht ankamen und er auch keine Antwort auf seine E-Mails an den Veranstalter erhielt, beauftragte der Reisefreund seine Bank damit nachzuforschen, wo denn sein Geld geblieben sei… Und siehe da: Es war an einen Fernsehhändler überwiesen worden….

Da aber der Reisewillige nie einen Fernseher bestellt hatte, bestand kein Vertrag zwischen ihm und dem Fernsehhändler – deshalb musste der Fernsehhändler das Geld zurückzahlen. So stand er letztendlich ohne Geld und ohne Fernseher da…

Und weil der Schurke nicht der einzige Betrüger im Land war, blieb es nicht bei diesem einen Fall.

Wenn der Fernsehhändler nicht gestorben ist, gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder er ist inzwischen pleite gegangen oder er hat – findig wie er ist – einen Prozess installiert:

  • Er beobachtet die Zahlungseingänge genau und prüft Auffälligkeiten wie z.B. abweichende Namen.
  • Er reagiert, wenn es zu Häufungen von Bestellungen kommt.
  • Er klärt auch bei Vorkassezahlungen die Identität des Bestellers und ob der Besteller unter der Adresse bekannt ist.
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