Schon gekauft?

„Ach,“ stöhnte der formidable Fuchs Finn, als er die weise Eule traf, „im E-Commerce sind manche Dinge gar nicht so eindeutig wie beim ‚Vor-Ort-Einkauf‘. Die Eule spitzte ihre wachsamen Ohren. „Und was zum Beispiel?“, fragte sie.

Eule mit Fuchs

„Wenn ich beim Händler an der Ecke mein Geld auf den Tresen lege und er mir die Ware gibt, dann habe ich einen Kaufvertrag geschlossen.“, erklärte Finn. „Im Internet weiß ich gar nicht, wann ich einen Vertrag geschlossen habe.“

„Das machen viele Unternehmen im Internet auch wirklich komplizierter als es sein müsste“, tröstete die Eule. „Ich erkläre Dir einfach mal die wichtigsten Dinge dazu.“

„Ein Kaufvertrag entsteht, wenn ein Käufer und ein Verkäufer sich einig sind und das auch sagen oder aufschreiben. Man spricht von zwei gleichlautenden Willenserklärungen. In die Augen sehen müssen sie sich dazu aber nicht.“, erläuterte die Eule.

„Heißt das, dass ich als Käufer dadurch meinen Willen erkläre, indem ich auf den Button ‚kostenpflichtig bestellen‘ drücke?“, fragte Finn nach. – „Genau so machst Du es. Du machst dem Händler damit das Angebot, die Ware zu den Preisen, die genannt sind, zu kaufen.“

„Und der Händler?“, wollte Finn wissen. – „In aller Regel nimmt der Händler Dein Angebot an und sendet Dir eine Auftragsbestätigung oder eine Bestellbestätigung – meistens per Email.“, führte die Eule aus. „Dann habt Ihr einen Vertrag geschlossen. Genau wie am Ladentresen.“

„Aber häufig steht in der Mail nicht Auftragsbestätigung“, zeigte sich Finn besorgt, „sondern Eingangsbestätigung oder so.“ – „Das machen viele Händler.“, bestätigte die Eule. „Dann wird der Vertrag erst später geschlossen.“ – „Aber warum tun die so etwas?“, wollte Finn wissen, „Da kann ich mir ja gar nicht sicher sein, ob ich die Ware auch bekomme!“

Die Eule, die die Sorgenfalten auf Finns Stirn sah, legte fürsorglich ihren Flügel um den fröstelnden Fuchs und erklärte: „Die Händler haben noch viel mehr Angst als Du. Wenn sie sich beispielsweise bei einem Preis vertan habe oder auf einen Betrüger treffen, dann möchten sie natürlich nicht die Verpflichtung zur Lieferung eingehen.“ Das verstand Finn und hörte weiter aufmerksam zu: „Der Händler nimmt das Angebot des Kunden erst später an – zum Beispiel nach der Bonitätsprüfung und der Kontrolle des Artikelpreises.“

„Darf der das denn so machen?“, insistierte der immer noch verunsicherte Finn. „Ja, lieber Finn!“, erklärte die Eule, „Das darf der Händler, weil sich der Käufer dazu bereit erklärt. Meist steht das in den AGB. AGB sind die Allgemeinen Geschäftsbedingungen. In praktisch jedem Online-Shop musst du mit einem Haken im Bestellformular bestätigen, dass Du mit den AGB einverstanden bist.“

„Ach so!“, entfuhr es Finn, „Dann sollte man die besser vor dem Bestätigen auch lesen?!“ – „Genau!“, bestätigte die Eule. „Das wäre schon besser! Aber mach´ Dir nicht allzu viel Sorgen. Händler achten auch gegenseitig darauf, dass dort keine ganz bösen Dinge drin stehen. Sie nennen es beispielsweise ‚unlauteren Wettbewerb‘, wenn die Frist bis zur Annahme Deiner Bestellung zu lang ist. Und das verbieten sie sich gegenseitig vor Gericht und in Form von Abmahnungen.“

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