Private Shopping

Der Hahn erklärt Private Shopping.Eines schönen Tages traf Finn auf einen Hahn. Dieser gebärdete sich wie ein eitler Gockel. Er erzählte jedem, was für tolle, hoch moderne Sachen er im Internet eingekauft und wieviel Geld er dabei auch noch gespart hatte.
Angestachelt von dem angeberischen Verhalten des Hahns mischte Finn sich ein: „Im Internet kann doch jeder bestellen. Und sparen kann da auch jeder, der sich gut umsieht.“ Der Hahn plusterte sich auf, um sein buntes Gefieder noch besser zur Geltung zu bringen, und erklärte voller Inbrunst: „Da, wo ich im Internet kaufe, darf nicht jeder kaufen. Es darf nicht einmal jeder sehen, was es gibt. Das nennt sich ‚Private Shopping‘!“.
Das machte Finn natürlich neugierig. Um dem Hahn mehr Informationen zu entlocken, gab er sich handzahm: „Das ist ja spannend. Kein Wunder, dass du so wunderschöne Kleidungsstücke trägst. Erklärst du mir bitte, wie du zu ‚Private Shopping‘ gekommen bist? Auch ich würde meinen Style gerne verbessern.“ – „Nun gut“, antwortete der Hahn, der sich freute, im Mittelpunkt des Interesses zu stehen. „Als ‚Private Shopping Communities‘ bezeichnet man Bereiche im Internet, die man nur sieht, wenn man eine persönliche Benutzerkennung und ein Passwort eingibt. Hat man das getan, erwartet einen ein ganz exklusiver Online-Shop.“
„Und woher bekommt man so eine persönliche Benutzerkennung?“, fragte Finn den Hahn. – „Typischerweise laden andere Mitglieder der Shopping Community jemanden ein. Das heißt, man wird nur auf Empfehlung Mitglied.“ Ein elitärer Club also. Das klang für Finn teuer, deshalb fragte er: „Wie viel kostet denn so eine Mitgliedschaft?“ – „Sie kostet normalerweise nichts“, strahlte der Hahn und schwärmte weiter: „Und wenn man Mitglied ist, bekommt man immer alle Informationen zu den neuesten Aktionen.“
„Was muss ich mir denn unter solchen Aktionen vorstellen?“, wollte Finn wissen. – „In einer Private Shopping Community gibt es immer für einen Zeitraum spezielle Produkte zu einem ganz besonderen Preis und in begrenzter Menge. Heute zum Beispiel bekamen wir Mitglieder per E-Mail die Information, dass es morgen zwischen 7 Uhr und 11 Uhr Gartenmöbel einer bekannten Firma mit großem Rabatt gibt.“
„Und ab 7 Uhr kannst du dann genau sehen, welche Produkte angeboten werden?“, fragte Finn nach. „Richtig. Und dann muss ich mich ganz schnell entscheiden“, erläuterte der Hahn. „Denn das Angebot gilt nur bis 11 Uhr und die Menge ist begrenzt – und natürlich schauen fast alle Mitglieder gleichzeitig rein.“
Finn glaubte, das Verfahren durchschaut zu haben. Es bestand aus Sonderposten, vorgeblichen Rabatten, künstlicher Verknappung und Shopping-Fanatikern. Die Leute kauften zu dem angebotenen Preis, ohne erst große Vergleiche im Internet anzustellen – weil es ja schnell gehen musste…
„Und seid ihr viele, ihr Private Shopper?“, wollte Finn vom Hahn wissen. – „Oh, ja! Wir werden immer mehr. Ein Beispiel ist das Wachstum der Plattform limango.de, die einem großen deutschen Versandhandelskonzern gehört. 2009 gab es 150.000 registrierte Nutzer. In 2013 waren es bereits 4.000.000.“ – „Interessant“, bemerkte Finn. „Ist das die größte Private Shopping Community?“ – „Nein!“, erläuterte der Hahn. „In Deutschland ist brands4friends mit circa 5-8 Millionen Nutzern noch größer. International sticht vente-privee.com heraus. Dort soll es 18 Millionen Nutzer geben.“
Finn war beeindruckt von diesen Zahlen, blieb aber skeptisch: „Gibt es denn auch etwas, was möglicherweise nicht perfekt ist an diesen Private Shopping Communities?“
„Na ja“, monierte der Hahn, „der Versand ist häufig schleppend. Das liegt daran, dass viele dieser Communities die Ware erst nach Abschluss der Verkaufszeit beim Hersteller anfordern. Da können schon mal mehr als 2 Wochen ins Land gehen. Und meist ist jeder Kauf aus einer Aktion ein eigener Auftrag mit eigenen Versandkosten. Aber unter dem Strich spare ich trotzdem noch reichlich – bei manchen Artikeln sogar 80 Prozent auf den Originalpreis!“ Finn wollte das nicht mit dem eitlen Gockel diskutieren, war aber sicher, dass dieser ziemlich viel Geld für Dinge ausgab, die er ohne die „exklusive Aktion“ nie gekauft hätte.

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