Warum ist die Packstation nicht braun?

Finn hat sich – wie wohl die meisten eCommerce-Anfänger – doch schon den ein oder andern Fehltritt geleistet. Manche davon erscheinen ihm heute tierisch lustig, so dass er sie gerne bei einem Glas Wein zum Besten gibt. So zum Beispiel diese Begebenheit:

Es war zu der Zeit als die Firma DHL die ersten Packstationen aufstellte. Diese Packstationen sollen es DHL-Kunden ermöglichen, Pakete außerhalb der Öffnungszeiten von Postfilialen abzuholen und aufzugeben. Typische Nutzer sind also diejenigen, die tagsüber keine Pakete entgegennehmen können.

Diese Packstationen sind leuchtend gelb wie alles bei DHL. Und jede Packstation hat eine Nummer und eine Adresse. Beispielsweise steht die Packstation 124 an der Budapester Straße 29 in 20359 Hamburg.

Finn fand sofort, dass eine solche Packstation eine tolle Idee für alle nachtaktiven Online-Besteller ist. Und das Verfahren funktionierte auch gut. Besteller trugen in den zwei Zeilen der Lieferanschrift, die Packstationsnummer und ihre persönliche Abholnummer, die sie von der DHL zur Nutzung der Packstation erhalten hatten, ein und die Bestellung wurde verarbeitet.

Eine Kleinigkeit hatte Finn allerdings nicht bedacht. In dem von ihm betreuten Online-Shop war es üblich, die eine Hälfte der Aufträge mit DHL und die andere Hälfte der Aufträge mit einem anderem Paketdienst zu versenden. Und so kam es, wie es kommen musste:
Ein Paket ging auf die Reise, adressiert an eine Packstation, versandt mit einem nicht-gelben Versanddienstleister.

Nach einigen Tagen fragte der Kunde an, wo denn sein Paket bliebe. Finn erkundigte sich sofort beim – in seiner Erinnerung braunen – Paketdienst und bekam die Info, dass das Paket zugestellt sei. Im ersten Augenblick bedankte sich Finn für die Auskunft und wunderte sich über den Anruf des Kunden. Bei weiterem Nachdenken aber fiel ihm auf, wo der Hase im Pfeffer lag: Wie konnte es sein, dass ein brauner Paketdienst ein Paket in einer gelben Packstation ablegen konnte?

Finn forschte nach und erhielt nach einigen Rückfragen die Erklärung: Er war auf sehr freundliche Auslieferer getroffen:

  • Der erste Auslieferer hatte erkannt, dass es keine Straße gab, die „Packstation“ heißt. Daraufhin hat er seine Kollegen gebeten, die Adresse zu korrigieren.
  • Fleißige Kollegen fanden nur heraus, wo diese Packstation stand, und schrieben die postalisch korrekte Anschrift der Packstation auf die Sendung. Und so ging die Sendung am nächsten Tag wieder in die Zustellung.
  • Der an diesem Tag diensthabende Zusteller fand unter der Adresse leider kein Klingelschild mit dem Empfängernamen. Kein Problem für ihn. Er hatte ja die Adresse und klingelte bei einer älteren Dame im Erdgeschoß.
  • Diese nahm das Paket gerne in Verwahrung bis der Empfänger es abholen würde. Sie kannte den Empfänger noch nicht und freute sich den – vermeintlich neuen – Hausbewohner kennenzulernen.
  • Zur Information brachte der Zusteller im Hausflur noch einen Hinweis an, dass bei der älteren Dame ein Paket für den Empfänger zur Abholung bereit lag.

Dieser Elan, mit dem alle ihren Job versuchten bestmöglich zu machen, führte zu einer Menge Telefonaten, herzlichem Lachen und ganz am Ende zur glücklichen Zusammenführung von Besteller und Paket.

Da aber Erfahrung klug macht, ließ Finn schnell etwas mehr Logik im Shop implementieren und stellte so sicher, dass gelbe Packstationen nur von gelben Autos beliefert wurden. Seither klappt alles prima – zumindest fast alles. Denn: Wenn die Packstation, an die geliefert werden soll, voll ist, erfolgt die Lieferung an eine andere – in der näheren oder weiteren Umgebung. So kann es auch dazu kommen, dass eine Lieferung, die aus mehreren Paketen besteht, in verschiedenen Packstationen landet.

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