Web-Controlling

Eines schönen Tages beobachtete der internetbegeisterte Fuchs Finn wie Alwin, der Ameisenbär, vor einem PC saß und Staubsauger ähnliche Geräusche von sich gab. Wissbegierig, wie Finn nun einmal ist, fragte er: „Was machst du denn da, Alwin? Jagst du Ameisen?“
Der Ameisenbär erklärt Web-Controlling„Nein, nein!“, antwortete der Ameisenbär amüsiert. „Ameisen gibt es hier keine. Ich bin beruflich hier. Ich arbeite im Web-Controlling.“
„Was macht denn ein Web-Controller?“, hakte Finn gleich nach. „Ich sauge die Daten aus Online-Shops. Genau gesagt, Daten über das Nutzungsverhalten der einzelnen Besucher. Und ich sammle die Daten dann so zusammen, dass man sie auswerten kann.“
Als er Finns fragendes Gesicht sah, erklärte Alwin das genauer: „Online-Shops haben das Ziel, möglichst viel zu verkaufen. Um zu erkennen, welche Angebote und Abläufe im Shops gut und welche noch nicht so gut auf dieses Ziel ausgerichtet sind, braucht man Kennzahlen. Diese werden aus Daten abgeleitet, die während des Shop-Besuchs über die einzelnen Nutzer -gesammelt werden. Ein Beispiel für eine solche Kennzahl ist die Conversion-Rate. Im Web-Contolling schauen wir aber noch genauer hin.“
„Hmm, die Conversion Rate gibt an, wie groß der Anteil der Käufer an den Shop-Besuchern ist“, konnte Finn mit seinem Wissen glänzen. „Aber was gibt denn noch zu entdecken?“, fragte er gespannt. Alwin ließ sich nicht lange bitten: „Oh, sehr viel! Ich erkläre dir erst einmal die Bounce-Rate. Diese Rate gibt den Anteil der Nutzer an, die ihren Besuch im Shop schon nach dem Aufruf einer einzigen Seite wieder beenden.“ – „Sind die Besucher, die so schnell wieder weg gehen, denn überhaupt interessant?“, wunderte sich Finn.
„Doch, das sind sie.“, erwiderte der Ameisenbär eifrig. „Beispielsweise sehen wir, dass Besucher über eine Werbeaktion oder einen bestimmten Suchbegriff in den Shop gekommen sind. Wenn bei denen die Bounce-Rate sehr hoch ist, kann es Sinn machen, die jeweilige Landing-Page besser zu gestalten.“
„Von der Bedeutung der Landingpages hat mir der Conversion Dog erzählt“, warf Finn ein und stellte gleich die nächste Frage: „Und wenn die Nutzer von der Landing-Page aus weiter stöbern – was interessiert dich dann noch?“
„Na, auch im weiteren Verlauf eines Shop-Besuchs springen immer wieder Besucher ab. Wir versuchen ihr Verhalten zu deuten und festzustellen, welche Bedürfnisse der Shop nur unzureichend befriedigt. Beispielsweise finden Besucher manchmal, dass der Weg zum Produkt zu lang ist. Sie haben dann unterwegs keine Lust mehr und geben auf.“
„Verstehe, “ sagte Finn, „ihr leitet also aus den Bewegungen im Shop Gründe für Abbrüche des Shop-Besuchs ab.“ – „Richtig. Die Bounce-Rate ist ein Indikator. Wenn sie an einer Stelle auffällig hoch ist oder wenn sie sich zum Negativen verändert, schaut der Web-Controller genau hin und versucht, die Ursachen zu finden. Daneben sammeln wir im Web-Controlling noch viele weitere Informationen. So sehen wir, welche Seiten gerne angeklickt werden und wie lange Besucher auf den Seiten bleiben. Aus der Vielzahl der abgesaugten Daten kann man Besucher in Gruppen klassifizieren und den Shop für die Bedürfnisse dieser Gruppen optimieren.“
„Hast du dafür ein Beispiel?“, bat Finn, weil er genauer verstehen wollte. „Klar,“ sagte der Ameisenbär, der jetzt ganz in seinem Element war. „Eine spannende Gruppe bilden zum Beispiel alle Besucher, die über eine Werbeanzeige in den Shop gekommen sind. Wir beobachten, wie oft sie den Shop besuchen, bis sie tatsächlich etwas kaufen. Auch sehen wir, ob diese Gruppe von Besuchern durch Werbeformen wie Re-Targeting häufiger oder schneller zum Kauf gebracht werden kann.“
„Das klingt wirklich spannend. So ein bisschen wie ein Geheimdienst“, sagte Finn beeindruckt. Aber kaum hatte er es gesagt, durchfuhr es ihn eiskalt: „Aber wie sieht das denn mit dem Datenschutz aus? Dürft ihr überhaupt diese ganzen Daten über die Shop-Besucher sammeln und auswerten?“  „Datenschutz ist mein Spezialgebiet“, versicherte der Ameisenbär. „Mein Rüssel ist so aufgebaut, dass er keine IP-Adresse als Identifikationen der Besucher durchlässt. Ein Stück der IP-Adresse bleibt immer unbekannt. So sehen wir zwar noch, woher der Besucher kam, aber nicht wer es persönlich ist. Für das Web-Controlling braucht man auch keine Gesichter der Besucher, sondern nur deren typisches Verhalten.“
Diese Aussage beruhigte Finn und er bedankte sich für die Erklärungen. „Gerne“, antwortete Alwin. „Und wenn wir uns das nächste Mal treffen, erzähle ich dir, was eine Customer Journey ist.“

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